Die Geschichte der Kolpingsfamilie Schongau
Bereits in den 60er Jahren des 19. Jahrhunderts bestand in Schongau ein Katholischer Gesellenverein, der jedoch nach kurzer Blüte bald wieder infolge Teilnahmslosigkeit der eigenen Mitglieder einging. Später machten dann die Gesellen Schongaus einen zweiten Gründungsversuch, der wegen ablehnender Haltung des damaligen Stadtpfarrers scheiterte.
Unsere heutige Kolpingsfamilie wurde am 10.11.1912 als Katholischer Gesellenverein im Saale zum „Goldenen Kreuz“ in Schongau feierlich mit dem Gruß „Gott segne das ehrbare Handwerk“ gegründet. Unter der Leitung des Präses Benefiziat Geiger und dem Senior Josef Fenk bildeten 30 ordentliche Mitglieder und 28 außerordentliche Mitglieder den damaligen Gesellenverein. Ordentliches Mitglied konnten ledige, katholische Handwerksgesellen vom 17. bis zum 26. Lebensjahr mit einem unbescholtenen Lebenswandel werden. Die außerordentliche Mitgliedschaft war Männern ab dem 45. Lebensjahr, Verheirateten oder Firmengründern möglich. Die Inhalte der Vereinsarbeit waren damals Sonntags- und Monatsversammlungen, Theateraufführungen und die Wanderfürsorge.
Ein Meilenstein war der Bau des neuen Jugendheimes 1920 / 1921 durch das Katholische Jugendwerk e.V. Schongau. Neben dem Katholischen Arbeiterverein (später KAB) und dem Katholischen Jugendverein war der Katholische Gesellenverein (Kolping) Mitglied und wesentlich beim Bau und anschließendem Betrieb des Jugendheimes beteiligt. Im Jugendheim fanden die wandernden Gesellen Unterkunft, es wurde Theater gespielt und Versammlungen abgehalten. Ein weiterer Schwerpunkt war die Weiterbildung der Gesellen. In der Zeit des Nationalsozialismus wurden Veranstaltungen mehr und mehr verboten. Dies gipfelte 1938 mit einem Verbot der Vereinstätigkeit. 1936 wurde das Jugendheim an die Stadt Schongau verkauft und dem Gesellenverein ein Raum im St. Josefsheim in der Stadt zugestanden. Während des Krieges ruhten die Aktivitäten des Gesellenvereins.
In der Nachkriegszeit ging das Jugendheim wieder in das Eigentum des Katholischen Jugendwerkes über. Dieser Verein wurde 1947 per Beschluss in Kolpingwerk Schongau umbenannt. Später wurde das Jugendheim an die Kammgarnspinnerei verkauft und mit dem Bau des neuen katholischen Pfarrheims (Jakob-Pfeiffer-Haus) begonnen. In diesem erhielt die Kolpingsfamilie ein Nutzungsrecht für einen Raum im Keller.
In der Zeit nach 1947 belebten sich die Aktivitäten der Kolpingsfamilie rasch. Neben den Monatsversammlungen und den traditionellen Theateraufführungen wurden Vorträge, Fahrten und Ausflüge angeboten.
Einen Aufschwung in der Kinder- und Jugendarbeit erlebte die Kolpingsfamilie ab 1977 unter Benefiziat und Präses Konrad Albrecht. In dieser Zeit existierten 8 Jugendgruppen, es gab Jugendtreffs wie die „Tea-Time“ und es wurden Ferienfreizeiten und Zeltlager angeboten. Auch die über viele Jahre vorbildlich wirkende Lernhilfe entstand in dieser Zeit.
Anfang bis Mitte der 90iger Jahre durchlebte die Kolpingsfamilie eine etwas passive Zeit, die 1997 mit einer neu gewählten Vorstandschaft wieder Belebung gewann.
Seit dieser Zeit bietet die Kolpingsfamilie zahlreiche und vielfältige Angebote für unsere beiden Pfarreien, unsere Stadt und unseren Umkreis. Neben religiös christlichen Programmpunkten kommen soziale, weltliche und gesellige Themen nicht zu kurz. Besonders erwähnenswert sind die langjährigen Kinderbibeltage sowie der sehr beliebte Faschingsball.